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Lesung und Qingtan: Ye Zhaoyan und Hauke Hückstädt im DT-Keller Goethe und Konfuzius haben bei aller Gegensätzlichkeit doch eines gemeinsam: Sie sind Ikonen. Sie haben die Bilder ihrer Kulturen tief geprägt, am tiefsten in den Köpfen. Denn hier gibt es tatsächlich ein Land, in dem schwermütige Dichter und Denker herdenweise durch die Straßen flanieren. Und hier gibt es auch ein Land, in dem allzeit lächelnde Menschen zwischen Goldfischen und Vogelgesang ihren Reis mit Stäbchen essen.
Mit seinem Essay über Goethe und Konfuzius leitet der chinesische Schriftsteller Ye Zhaoyan einen Abend ein, der so manche gängige Typisierung ad absurdum führen wird. Der Romancier gastiert derzeit als „Artist in Residence" im beschaulichen Göttingen. Neben ihm sitzt Hauke Hückstädt, Lyriker und Leiter des Literarischen Zentrums. Dieser wiederum verbrachte den Sommer in der 8 Millionen-Metropole Nanjing. Im Deutschen Theater lesen die beiden Autoren aus ihren Texten. Yes Romane spielen vor der historischen Kulisse seiner Heimatstadt Nanjing, in den Wirren von Krieg und Kulturrevolution. Autobiografische Parallelen gäbe es aber keine, erklärt Ye. Seine Protagonisten seien allesamt frei erfunden. Hückstädt schickt seinen Gedichten ein ganz gegenteiliges Statement voraus: Literatur sei ja immer autobiografisch. Auch bei ihm spielt Geschichte eine Rolle, als persönliche Erfahrung. Nach der Lektüre folgt der Qingtan, ein spontaner Dialog, moderiert und übersetzt von Irmy Schweiger und Liu Shanshan. Hückstädt erzählt freimütig von den vielen Menschen, die er in Nanjing kennenlernte, prominente Wissenschaftler, Künstler und Lyriker. Auf die Frage, welche Bekanntschaften Ye gemacht hätte, antwortet dieser in sympathischer Zurückhaltung: Das sei wohl ein Punkt, an dem sie sich unterschieden. Er schlendere lieber allein durch die Straßen Göttingens. Doch auch das Flanieren hat seine Tücken. So berichtet der Großstädter sichtlich amüsiert, wie er sich hier zum ersten Mal in seinem Leben verlaufen hat: „In China geht man nach Norden, dann nach Westen und dann ist man da.“ In den labyrinthischen Gassen der Kleinstadt spaziere er zwar immer im Kreis, wisse aber dennoch nie, wo er eigentlich sei. Vielleicht die einleuchtendste kulturkontrastive Beobachtung des Abends. Eines Abends übrigens, der auf sehr unterhaltsame Weise in die Köpfe rief, was zwischen Oktoberfest und Lotusblüten bisweilen in Vergessenheit gerät: Wie wenig Typisierungen greifen. Christian Volmari, Göttinger Tageblatt (24. November 08) |