|
Auftakt der "Artists in Residence"-Filmreihe Der Bergmann San-ming Han reist in die Stadt Fengjie am Drei-Schluchten-Staudamm des Flusses Yangtze. Er will seine Ehefrau wiederfinden, die ihn vor 16 Jahren mit ihrem gemeinsamen Kind verlassen hat. Doch die Straße, in der sie wohnte, ist längst im Wasser untergegangen. Zur gleichen Zeit kommt die Krankenschwester Shen-hong Guo in die Stadt. Auch sie sucht ihren Ehepartner. Zwei Jahre ist es her, seit sich Bin Guo das letzte Mal bei ihr gemeldet hat, nun will sie ihren Mann zur Rede stellen.
Fengjies Altstadt steht schon unter Wasser, doch die neuen Unterkünfte für ihre Bewohner sind noch nicht fertiggestellt. Manche Dinge können gerettet, andere müssen zurückgelassen werden. So wie die vom Stausee überfluteten Häuser an anderer Stelle durch neue ersetzt werden müssen, sehen sich auch San-ming und Shen-hong am Ende gezwungen, neue zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Still Life erzählt am Beispiel zweier Paare, welche Folgen das umstrittene Drei-Schluchten-Staudamm-Projekt am Yangtze für die Menschen hat. Hintergrund des Films ist der Bau des Staudamms zwischen 1994 und 2006. Beabsichtigt hatte die chinesische Regierung die Kontrolle über Hochwasserkatastrophen, Energiegewinnung und verbesserte Wassertransportwege. Kritiker hegen jedoch enorme Zweifel an diesem Projekt: der Staudamm wurde in einem von Erdbeben gefährdeten Gebiet gebaut und die aus Steuergeldern finanzierten Kosten nahmen gigantische Dimensionen an. Umweltschäden, die Überschwemmung von archäologischen Ausgrabungsstätten und Zwangsumsiedlungen sind weitere große Problempunkte. Diese Mischung aus Dokumentation und Fiktion ist ein ebenso kritisches wie poetisches Kinoerlebnis. Die stimmungsvolle Spielhandlung ist mit einer verhaltenen Kritik an der Pekinger Regierung verknüpft, welche die Zukunft des Landes über die Köpfe der Bewohner hinweg plant und gestaltet. Still Life ist der jüngste Film des chinesischen Regisseurs Jia Zhang-Ke und gewann den Goldenen Löwen bei den 63. Filmfestspielen in Venedig. Außerdem ist er mit dem Asian Film Award 2007 in der Kategorie "Beste Regie" ausgezeichnet worden. 6. November 08, 20:00 Uhr (mit Einführung) 8. November 08, 20:00 Uhr Kino Lumière, Geismarlandstraße 19, 37083 Göttingen Karten an der Abendkasse |